10 Jahre Garantie auf die Entzugsleistung sowie auf die Erdwärmesonde

Branchenkenner Dr. Martin Sabel über Perspektiven und Nutzen von Erdwärme

Erdwärme einfach erklärt: Dr. Martin Sabel zeigt Chancen, Vorteile und Perspektiven der Energie aus dem Boden.

 

Die Energie unter unseren Füßen:

Ein Branchenkenner über Erdwärme und ihre Perspektiven. Dr. Martin Sabel ist promovierter Geologe und seit 2017 Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe e.V. Hier beantwortet der Branchenexperte Fragen rund um das Thema Erdwärme und gibt fundierte Einblicke aus erster Hand. Er räumt mit Missverständnissen auf und zeigt, warum vom Erdwärmeausbau auch die Allgemeinheit profitiert.

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Was würden Sie jemandem sagen, der noch nie von Erdwärme gehört hat?
Unter unseren Füßen ist es das ganze Jahr über gleichmäßig warm. Das kann man nutzen, um ein Haus zu heizen – leise, sauber und sehr effizient. Eine Wärmepumpe holt die Energie aus dem Boden und macht daraus Heizwärme und warmes Wasser. Dafür braucht sie nur Strom, der bereits zu über der Hälfte aus erneuerbaren Quellen stammt, aber keinen fossilen Brennstoff wie Öl oder Gas. Erdwärme verbindet mehrere Vorteile auf einmal. Sie ist zuverlässig und bietet eine langfristige Perspektive mit ausgereifter Technik.

Warum ist Erdwärme so ein cleveres Heizsystem – und warum gerade jetzt?
Wärmepumpen arbeiten umso effizienter, je kleiner der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und benötigter Vorlauftemperatur des Heizsystems ist. Wärme aus der Luft unterliegt übers Jahr hinweg hohen Temperaturschwankungen. Im Erdreich herrschen ganzjährig nahezu konstante Temperaturen. Somit ist Erdwärme auch im Winter hocheffizient, ermöglicht hohe Jahresarbeitszahlen sowie niedrige Betriebskosten und reduziert Abhängigkeiten von Preis- und Marktschwankungen.
Mit dem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen rücken Wärmepumpen ins Zentrum der Wärmeversorgung. Erdsonden sind für einen planbaren, zuverlässigen Betrieb von 80 Jahren und mehr ausgelegt, womit sich die Investitionskosten langfristig amortisieren. Aufgrund ihrer Effizienz sind Erdwärmesysteme auch interessant für Bestandsbauten. Sie eignen sich außerdem hervorragend für die passive Kühlung im Sommer.

Wie wichtig sind Bohrunternehmen für eine gute Erdwärmeanlage – und was macht eine gute Zusammenarbeit aus?
Bohrunternehmen bestimmen das Fundament des gesamten Systems. Eine fachgerecht ausgeführte Bohrung sorgt für einen guten thermischen Kontakt zwischen Erdsonde und Erdreich, für hydraulische Dichtheit und für langfristige Betriebssicherheit. Fehler bei der Bohrung oder Verpressung lassen sich kaum korrigieren und können zu schlechter Effizienz und erhöhtem Stromverbrauch führen. Ein gutes Bohrunternehmen bringt nicht nur die Technik mit, sondern Erfahrung zu Geologie, Grundwasserverhältnissen und behördlichen Anforderungen.
Genauso wichtig ist die Zusammenarbeit zwischen Bohrunternehmen, Planern und Wärmepumpenfachbetrieben. Eine gute Kooperation beginnt bei der gemeinsamen Auslegung der Anlage und setzt sich über Genehmigung, Bauausführung und Dokumentation fort. Nur mit gegenseitigem Verständnis der jeweiligen Fachdisziplinen entsteht ein effizientes, wirtschaftliches System.

Welche typischen Missverständnisse über Erdwärme begegnen Ihnen immer wieder?
Es sind oft ähnlich klingende Missverständnisse. Hier nenne ich ein paar Beispiele und erläutere, wie sie sich entkräften lassen:

„Erdwärme steht nur in geothermisch aktiven Regionen zur Verfügung.“

Anders als bei der tiefen Geothermie nutzt die Wärmepumpe die überall vorhandene, ganzjährig relativ konstante Temperatur in wenigen Metern Tiefe. Das nennt sich oberflächennahe Geothermie.

„Erdwärme ist eine endliche Ressource und der Boden kühlt langfristig aus.“

Eine nachhaltige Nutzung ist Stand der Technik bei korrekt ausgelegten Anlagen. Der Untergrund regeneriert sich durch Sonneneinstrahlung, Niederschläge und Wärmeflüsse aus tieferen Schichten.

„Erdwärmepumpen funktionieren nur mit Fußbodenheizung.“

Zwar profitieren sie von niedrigen Vorlauftemperaturen, sie können aber auch mit Heizkörpern betrieben werden, insbesondere nach hydraulischer Optimierung oder Teilsanierung.

„Die Investitionskosten sind grundsätzlich zu hoch.“

Die Anfangsinvestition ist oft höher als bei Luft-Wärmepumpen, wird jedoch in der Regel durch höhere Effizienz, geringere Betriebskosten und lange Lebensdauer ausgeglichen.

„Erdwärme ist technisch kompliziert und störanfällig.“

Moderne Erdwärmepumpensysteme sind ausgereift, robust und wartungsarm. Die im Boden liegenden Komponenten arbeiten passiv und verschleißfrei.

Glauben Sie, dass Erdwärme auch in Städten eine größere Rolle spielen wird?
Ja, allerdings in anderer Ausprägung. Denn Flächenknappheit erfordert angepasste Systeme. Insbesondere platzsparende Erdsonden, Energiepfähle und die Nutzung von Grundwasser werden an Bedeutung gewinnen, da sie wenig Oberfläche benötigen und sich gut in Neubauten oder Sanierungen integrieren lassen. In Städten wird Erdwärme zunehmend mit Quartiers- und Nahwärmelösungen gemeinschaftlich genutzt, etwa über kalte Nahwärmenetze oder Erdsondenfelder, die mehrere Gebäude versorgen. Ein weiterer Vorteil im urbanen Raum ergibt sich aus der nahezu geräuschlosen Arbeit von Erdwärmesystemen.

Welchen Wunsch hätten Sie an die Politik, wenn es nur einen geben dürfte?
Ein attraktives Förderprogramm, das den Erdwärmemarkt gezielt anreizen würde, wäre wünschenswert. Nordrhein-Westfalen hat es mit dem Programm progres.nrw für Klimaschutztechnik vorgemacht. Dort gibt es 50 Euro Förderung pro Bohrmeter. Das kann über die hohe Anfangsinvestition für die Erschließung der Wärmequelle hinweghelfen. Durch die vergleichsweise konstante und hohe Quellentemperatur der Wärmequelle sinkt die Netzbelastung in Spitzenlastzeiten bei kalten Außentemperaturen. Dadurch werden Netzausbaukosten gespart, wovon die Allgemeinheit profitiert. Eine Unterstützung von Erdwärmeprojekten einzelner Hausbesitzer ist also auch volkswirtschaftlich begründbar.

 

Porträt von Dr. Martin Sabel im dunklen Sakko und hellblauen Hemd vor hellem Hintergrund.